Aus den Jugendlichen von einst wurden die Rentner von heute. So manches Ereignis wurde aus dem Gedächtnis verdrängt, aber so manche Geschichte bleibt so haften, als sei sie erst jüngst geschehen.
          Treue Zuschauer Ende der 60er Jahre

Einige solcher Zeitgeschichten sollen hier wiedergeben werden. So war es 1949/50 ganz normal, daß jeder Spieler selbst zusehen musste, wie er zu den Spielen kam, die in der Umgebung ausgetragen wurden (z.B. in Bodelwitz, Ranis, Krölpa). Ob er zu Fuß ging oder mit dem Fahrrad fuhr, das war jedem selbst überlassen.

Es war auch ganz normal, daß ein Spieler seine Fußballschuhe einen Spieler der anderen Mannschaft borgte, denn nicht jeder Spieler konnte sich ein Paar ordentliche Fußballschuhe leisten. Es ist auch bekannt, daß Walter Kolditz mehrmals zu entfernten Spielorten fuhr, um Spieler hin oder zurück zu transportieren. Ab Oktober 1951 wurden die Spieler des Öfteren durch einen Traktor mit Hänger zu den Spielorten gefahren. Das war schon recht angenehm.

Ab und zu konnte oder musste sich der Sportverein einen Bus bestellen, so zu einem Spiel am 1. Advent nach Schmiedefeld. Am Mittwoch war Kartenvorverkauf in der Gemeinde. Da ca. 100 Personen mitfahren wollten, wurde beim Kraftverkehr Jena ein Bus mit Hänger bestellt. Der Boden des Hängers war so marode, daß man durch ihn die Straße erkennen konnte. Im Gedächtnis blieb dann auch haften, daß der Bus unterwegs um ein Haar von einem Zug erfasst worden wäre.

Einen lang anhaltenden Eindruck hinterließ auch ein Verbandsspiel in Brennersgrün. Angereist waren die Orlataler mit einem LKW der Firma Gebelein aus Pößneck-Öpitz. Der Sportplatz lag direkt an der innerdeutschen Grenze. Die Grenzposten schauten interessiert dem Spiel zu. Ging der Ball bei einem Schuss auf das Tor über dieses hinweg, so sprang einer der Posten über die "Grenze", einen kleinen Graben, um den Ball aus Westdeutschland zurückzuholen. Nach dem Spiel kehrten Spieler und Begleiter im Gasthof Brennersgrün ein. Was staunten da die älteren Herren, daß es hier Bohnenkaffee zu kaufen gab, das kannte man doch gar nicht mehr (Ein Zeichen, daß der Schmuggel im Grenzgebiet funktionierte!). Auf dem Heimweg mussten Reifen gewechselt werden. Als dies in Könitz wieder der Fall war, gab es kein Ersatzrad mehr. Spieler und Begleiter gingen im Ort zum Kirmestanz. Der Kraftfahrer wurde von einem Könitzer mit dem Beiwagenkrad nach Öpitz gefahren, um einen frischen Reifen zu holen. Als es gegen Mitternacht nach Hause gehen konnte, war es sehr schwer, die Sportler zum Verlassen des Kirmestanzes zu bringen.

Am Sonntag, dem 30. Dezember 1951 spielte "Traktor Orlatal II" in Drognitz gegen die dortige 1. Mannschaft. Auf der Hinfahrt meinte es einer gut mit der Mannschaft: Er bot ihnen Bockwürste und Schnaps an. Natürlich wurde tüchtig zugeschlagen. Das Spiel war dann auch dementsprechend: Orlatal unterlag 13:1! Der "Verführer" war ein Postangestellter. Er wurde später verhaftet, da er Pakete mit Lebensmitteln verschwinden ließ.

Interessant ist auch, daß Orlataler Sportler, die zum Studium oder zur Ausbildung auswärts wohnten, zu den Spielen am Wochenende anreisten. Der Mannschaftsleiter der 2. Mannschaft, Günter Hammerschmidt, duldete es nicht bei seinen Auswertungen, wenn einer dazwischen sprach. Wer etwas sagen wollte, hatte sich zu melden und um das Wort zu bitten. Nach Erhalt durfte er sprechen. Zwischenrufe wurden bestraft. Die Sünder mussten einen Liter Bier bezahlen - damals 1,60 Mark.

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