Am Abend des 9. November 1989 verkündete Politbüromitglied Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz die Öffnung der innerdeutschen Grenze. Damit läutete er praktisch das Ende der Deutsch Demokratischen Republik ein. Somit war ein weiteres Mal in der Geschichte der Versuch gescheitert, einen sozial gerechten Staat mit gleichen Rechten für alle zu errichten. Dafür wurden aber die Vorraussetzungen für die Einigung Deutschlands geschaffen. Zu Beginn des Jahres 1990 wurde die BSG "Chemie Orlatal" aufgelöst und es wurde der SV "Orlatal" gegründet. In ihm waren die gleichen Sektionen vertreten wie vorher.

Wie überall in der DDR wurden auch dem Sport in Orlatal immer mehr die westdeutschen, in Jahrzehnten gewachsenen Befindlichkeiten, Gesetze und Vorgehensweisen übergestülpt. Der Besitz von Geld rückte aus vielen Gründen für die Sektionen immer mehr in den Vordergrund: Ohne Geld lief kaum etwas! Da die einzelnen Sektionen unterschiedlich viel davon benötigten, aber auch unterschiedlich viel für den Verein erarbeiteten, kam es zu Unstimmigkeiten. Die Sektion Fußball wollte sich vom Verein trennen. Deshalb wurden Vertreter aller Sektionen in den "Goldenen Stern" eingeladen. Es wurde Kassensturz gemacht, jede Sektion erhielt entsprechend ihrer Mitgliederzahl ihren Anteil und von Stund` an marschierte jede Sektion für sich.

Mit der Einigung Deutschlands mussten von den leitenden Sportlern eine Unmenge von Fragen einer Lösung zugeführt werden. So stellte es sich z.B. heraus, daß der Sportplatz nach wie vor Eigentum der Bauern Seifert und Tölpel war. Diese wollten ihr Eigentum zurück haben, denn das ihnen einst zugesprochene Austauschland der Gemeinde war ebenfalls nicht in ihr Eigentum übergegangen. Als Bürgermeister König eine Enteignung andachte, steigerte sich naturgemäß der Ärger der Besitzer.

Am 13.12.1990 wurde in einer Wahlversammlung der Fußballsportverein "Orlatal" gegründet. Die vorgetragenen Statuten wurden einstimmig angenommen. Zum Vorsitzenden wurde Eckard Jaunig, zum Kassierer Klaus Vogel und zum Schriftführer Siegmund Pitzing gewählt. Chronist wurde Dietmar Kriebel. Vor der Leitung, besonders aber vor E. Jaunig stand nunmehr die Aufgabe, den Verein entsprechend der neuen Gesetze und Verordnungen zu organisieren.

So benötigten die Spieler neue Spielpässe, Unfallversicherungen mussten abgeschlossen werden und der Verein ins Vereinsregister eingetragen werden. Auch wurden 1990 die alten Beziehungen um TSV Dietenhofen wieder aufgenommen. Leider machten sich bei verschiedenen Besuchen und Gegenbesuchen die unterschiedlichen Entwicklungen beider Seiten negativ bemerkbar, so daß man - außer der "Alten Herren" - auf das weitere Miteinander verzichtet.

Am 23.01.1991 folgte eine erste Aussprache mit dem Bürgermeister und dem Gemeinderat wegen eines vorläufigen Nutzungsvertrages für Platz und Heim. Es wurde festgelegt, daß die Gemeinde 2/3 der Kosten der FSV 1/3 bestreiten.

Am 31.01.1991 wurde der FSV "Orlatal" mit der Übergabe der Urkunde ordentliches Mitglied des Landessportbundes Thüringen. Im April 1991 wurde die Anzeigetafel am Eingang aufgestellt. Auf ihr standen auch Namen der ersten 10 Sponsoren. Am 19.04. wurde die Alte-Herren-Mannschaft gegründet. Aber für die 1. Mannschaft hatte man keinen Trainer mehr.

Ab 1. Mai 1991 war das Nutzungsrecht für den Sportplatz von beiden Eigentümern gekündigt worden. Trotzdem wurde am 1. Mai das Dorfturnier der drei Orte der Großgemeinde und Schweinitz nach alter Weise wieder durchgeführt. Als Sieger verließ Langendembach den Platz. Um den 1. Juni herum wurde gemeinsam mit dem Feuerwehrverein Kleindembach ein Fest für Kinder organisiert, welches inzwischen auch zur schönen Tradition wurde.

Im Juni 1991 wird für den Sportplatz ein Pachtvertrag für ein Jahr angestrebt. Bei einem Quadratmeterpreis von 1 DM würde die Pacht ca. 10.000 DM jährlich betragen. Auch war vom Neubau eines Sportplatzes hinter der Porzellanfabrik die Rede.

Am 28.06.1991 stellte sich Sportfreund Hartmut Hollmann als Trainer für die 1. Mannschaft zur Verfügung. Im Juli hat der Verein nach längerer Pause wieder zwei Schiedsrichter: Hubert Scholz und Hans-Joachim Stache.

Langsam normalisierte sich alles, das Räderwerk funktionierte, wenn auch anders als zu DDR-Zeiten. Wurde früher eine Vorstandssitzung einberufen, dann gab es Probleme zu lösen. Heute muss man sich regelmäßig treffen, weil unheimlich viele Dinge zu bedenken und zu beachten sind.
        August 1991, Der Zirkus auf dem Fußballplatz
Am 23.11.1991 wurde das erste Nachwendevereinsfest in netter Atmosphäre gefeiert.

Am 12.12.1991 fand die nächste Vereinswahl statt. E. Jaunig und K. Vogel schieden aus beruflichen Gründen aus ihrer Funktion aus. Zum neuen Vorsitzenden wurde Hans-Joachim Stache gewählt, zum Kassierer Siegmund Pitzing. Auch neue Sponsoren wurden für den Verein gewonnen. Der FSV "Orlatal" zählte 80 Mitglieder, davon 18 Nachwuchsspieler.

Vom 07. - 09.02.1992 fand für den Nachwuchs in Bodelwitz ein Trainingslager statt. Gestaltet hatte es Sven Lottko und Volker Pauland. Die Spieler der 1. und 2. Mannschaft erarbeiteten sich im Laufe des Jahres gute Tabellenplätze.

Am 21.11.1992 fand in Langendembach das nächste Vereinsfest statt. Es fand bei allen Teilnehmern einen guten Anklang.

Am 17.12. fand im Rassegeflügelzuchtverein die nächste Wahl statt. Veränderungen gab es keine.
        Mai 1994, Der Platz steht unter Wasser

Zum Seitenanfang